Man mag ein Fussballliebhaber sein oder auch nicht. In St. Gallen und auch in anderen neuen Stadien mit Mantelnutzung ist es auf jeden Fall schwer, an einem Spieltag zu shoppen ohne vom Fussball beeinflusst zu werden.
Am 18. Oktober war es auch in St. Gallen so. Die Zeitungen haben von der Bewährungsprobe für die neue AFG Arena gesprochen, die Mediensprecher von Polizei und der AFG-Arena von einem Hochrisikospiel. Scheinbar wurden die Hausaufgaben gemacht.....
Als die Aarauer dann am Spieltag ankamen, sah die Sache etwas anders aus. Private Fahrzeuge, die in den Anmarsch der Aarauer hineinfuhren und durch die Aarauer Sicherheitsbegleiter gestoppt werden mussten... Krawalle vor dem Stadion und eine scheinbar paralysierte Polizei. Das Warum können wir an dieser Stellen vermutlich nicht beantworten, wie es ausgegangen ist erfahren wir aus den Zeitungen. Es geht jetzt auch nicht darum, jemandem Schuld zuzuweisen. Aber die Verantwortlichen müssen unbedingt noch einmal über die Bücher und vor allem... in Zukunft müssen Architekten von Fussballstadien beweisen, dass sie etwas von Sicherheit verstehen. Was in St. Gallen geplant und aufgestellt wurde mag nett aussehen, sicherheitstechnisch ist es ein Affront.
Die Zeitungen sind voll, niemand ist Schuld und alle verlangen drastische Strafen. Natürlich hat das alles nichts mit der EM08 zu tun, denn dafür werden die entsprechenden "Fans" ja keine Tickets ergattert haben. Meinen zumindest die Experten:
Christian Kern, CEO der Stadionbetreiberin Basel United, betont:
Clubfussball lässt sich mit der Euro nicht vergleichen. An der EM sind alle Tickets personifiziert und die Daten der Besitzer hinterlegt.
Jaja... und die Tickets werden auch nicht weiterverkauft und jeder Ausweis wird überprüft... Wo er Recht hat ist mit der Aussage, dass sich Clubfussball nicht mit einer EM vergleichen lässt. Das Publikum ist gemischter. Im Stadion....
Benedikt Weibel, Euro-Delegierter der Schweiz, sagt der Zeitung «Sonntag»:
Heikel wird es dagegen überall dort, wo es sehr viele Menschen und Kameras gibt, zum Beispiel in den Fanzonen.
Also, keine Kameraüberwachung mehr? Oder einfach nur noch dort überwachen, wo das Risiko eh minimal ist?
Polizeisprecher Mannhardt
Wer sich für Hunderte Franken ein Stadion-Ticket ergattert hat, trinkt sich nicht die Hucke voll und verhaut den Nebenmann. Grösser ist die Gefahr beim Public Viewing. (Anm. Public Viewing = UBS-Arena)
So im Blick Online von heute gelesen. Mir persönlich ist es eigentlich egal, wo die Krawalle stattfinden. Egal wo und wie viele. Einer ist zuviel! Die beste Aussage aber bringt Polizeisprecher Mannhardt am Schluss des Artikels noch einmal zum Thema UBS-Arena:
Die Polizei kommt nur, wenn dieser Dienst völlig überfordert ist» (Anm. Mit Dienst meint Mannhardt die Sicherheitsdienste in den Stadien und Public Viewings!)
Na dann danke... bis die Polizei auf Platz ist, dürfte einige Zeit vergehen. Hoffen wir, dass nur die Basler Polizei so fahrlässig ist und an den anderen Standorten vorgesorgt wird. Und dass die Polizei mit offenen Augen durchs Leben geht. Es braucht nicht Verletzte, damit eingeschritten wird.
Übrigens... auch anderswo macht man sich Gedanken und sucht Schuldige... zum Beispiel im Tages Anzeiger. Da wird erklärt, dass angeblich nicht die Südkurve sondern die Fangruppierung K4 (Kreis 4, ein Stadtkreis in Zürich) für die Krawalle am Match FCB gegen FCZ vom 2. Mai 2008 verantwortlich ist. Die Südkurve habe denn auch versucht, die K4 Anhänger zu bändigen... allerdings seien diese zu gut organisiert gewesen. Liest man wiederum in einem FCZ-Forum. Dass der Tagi hier noch gleich die
Secondos mit tiefem Bildungsniveau
für die Ausschreitungen verantwortlich macht scheint mir doch etwas primitiv. Vermutlich hat der herr Reporter keine Zeit gehabt, richtig zu recherchieren. Es liegt nicht am Bildungsniveau. Es gibt Journalisten, Banker und Leute aus allen Schichten, die als Hooligans unterwegs sind. Aber ich nehme gerne eine Adressliste der Beteiligten und lasse mich belehren.
Inspizient der Sicherheitsliga war übrigens Peter Landolt, seines Zeichens auch für die Sicherheit in den Stadien von Zürich zuständig...... Dort klappt es ja.
Hoffentlich war das der letzte Lehrplätz, den die Verantwortlichen zu zahlen bereit waren. Das nächste mal muss es klappen, ein Wiederholung der Ausschreitungen wie am Spiel vom 2. Mai 2008 darf es nicht mehr geben.
Video von Szenen nach dem Spiel FCB:FCZ vom 2.5.08:
Nach dem Spiel wurden die Fans des FCZ von den restlichen Zuschauern mittels mobiler Zäune und einem Sichtschutz abgegrenzt. Statt ein bischen geduldig zu sein und auch, für einmal, den Fehler bei sich selber zu suchen machen die Zürcher weiter und setzen auf Konfrontation. Dass die Polizei bei diesen Bildern auf Reizstoff und Gummischrot zurückgreift ist klar.
Frage: Wo waren die Fanbetreuer und die Verantwortlichen der Fanprojekte? Insbesondere die letzteren setzen doch immer auf Kommunikation? Aber wenn die Situation einmal aus dem Ruder läuft verstecken sie sich.... Wo sind die Sicherheitsverantwortlichen? Wo deren Vertreter in der SFL? Oder ist die SFL schon dermassen verfilzt, dass hier die Verbindungen mehr zählen als das Können und die Resultate?
Ein interessanter Artikel mit einer Zusammenfassung der Medienaussagen findet Ihr auf swissinfo. Auch der Standard aus Oesterreich berichtet...
Dass ein FCZ-Fanblog aus dem Zürcher Umfeld etwas pro FCZ-Fans berichtet verstehe ich noch einigermassen... normalerweise lese ich dort allerdings etwas neutralere Berichte. Vielleicht liegt es hier am Thema?
Auch wenn ich Deine Meinung nicht teile. Das Recht, dass Du sie äussern darfst werde ich so gut es geht verteidigen! Meinereiner ist verbandelt mit... Securitas AG, Billag AG, TX WebSolutions GmbH, Chopard & Cie. SA (WC-Wasser), the consultant, Migros (da kaufe ich ein), Volvo (fahre ich), FC Aarau, SC Langenthal und vielen anderen netten Leuten. Also, alles andere als unabhängig. Aber wer ist das schon?