Im Verlauf der Spielsaison 2006/2007 kam es bei über einem Viertel der Fussballspiele der beiden oberen Schweizer Spielligen zu Polizeieinsätzen, wovon beinahe 90 Prozent auf die Super League entfielen.Ich habe den BISS mal unter die Lupe genommen und möchte Euch in unregelmässigen Intervallen einzelne Abschnitte davon kommentieren.
Interessant ist im Bezug auf die Gewalt an Fussballspielen auch die Einschätzung, dass sich immer mehr gewaltbereite "Fans" an Eishockeyspielen oder Spielen der unteren Ligen tummeln, weil dort die Sicherheitsvorkehrungen noch nicht so stark und darum auch weniger Konsequenzen zu befürchten sind. Dabei sind die Ausschreitungen in der Regel nicht in den Stadien, sondern auf den Wegen zum und vom Stadion weg zu gewärtigen. Das wundert auch nicht, wurden die Stadien in der Zwischenzeit technisch zu Hochsicherheitsgefängnissen umgebaut. Hochauflösende Kameras und (meistens) gut ausgebildete Sicherheitskräfte im Zusammenspiel mit der Polizei verhindern in den Stadien meistens grössere Ausschreitungen.
Ein weiterer Fakt, den die Fedpol aufführt ist, dass zunehmend ausländische, gewaltbereite Fans in die Schweiz reisen. Diese pflegen zwar keine Anhängerschaft zum entsprechenden Verein, unter den Fangemeinschaften entstehen aber Fanfreundschaften, diese gehen denn auch soweit, dass man sie als Koalitionen gegen andere Fangemeinschaften ansehen kann. Nicht selten sind auch in der Schweiz Zweckbündnisse zu finden, bei denen sich einzelne Fangemeinschaften zu Zweckbündnissen zusammen schliessen und so die eigene Mannstärke im Kampf vergrössern. Die zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel wie OGO oder Natel helfen den einzelnen Gruppen untereinander in Kontakt zu bleiben und den Capo bei der Führung der Gruppe.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Fangruppierungen streng genommen uniformiert sind und eine Befehlsstruktur haben wie die Sicherheitskräfte. Da ist es dann immer wieder lustig, den Sprechgesang "ich bin nichts, ich kann nicht, gebt mir eine Uniform" zu hören.
Gedanken machen sollten einem neben der zunehmenden Gewaltbereitschaft auch die Kosten, die dadurch entstehen. Auch wenn die Gewaltbereitschaft die Ursache nicht im Fussball oder Eishockey hat, kommen auf die Öffentlichkeit hier doch Kosten zu, die oft mehrere zehn- bis hunderttausend Franken pro Einsatz betragen. Gute Erfahrungen kann man aus den bereits seit längerer Zeit bestehenden Systemen in Grossbritannien und Deutschland ableiten. Die dort praktizierten Rayonverbote und die Meldepflicht lässt auch in der Schweiz die Hoffnung aufkeimen, dass es mit den Ausschreitungen zurück gehen könnte. In diesem Sinne dürfte jede Äusserung kontra Hoogan, Rayonverbote und Meldepflicht eine Aeusserung pro Gewalt sein.
Gedanken machen müsste man sich auch über die zu tragenden Konsequenzen. Scheinbar sind diese nicht gross genug. Zumindest andenken könnte man doch, ob die erwischten Randalierer nicht einen erheblichen Teil der verursachten Kosten bei den Sicherheitskräften tragen müssten.
Für mich bestätigt dieser Absatz des BISS zu 100% meine eigene Einschätzung. Dummerweise wird dabei nicht auf die Ursachen eingegangen, zumindest habe ich sie nirgends gefunden. Die zunehmende Gewaltbereitschaft, das durchsetzen eigener Meinungen mit Hilfe von Gewalt scheint in der Gesellschaft immer mehr akzeptiert zu werden. An der Euro 08 wurde ein Werbespot gezeigt, der das ganze auf den Punkt bringt: Wer schweigt, toleriert Gewalt.
Beitraege




Schön zu lesen. Nur mit dem Schreiben und Lesen darüber kommen wir nicht sehr weit. Leider. Die Gesellschaft muss rigoroser dagegen vorgehen und schwere Strafen aussprechen und die Verursacher auch mit Franken zahlen lassen. Nur so wird's was.