Was irgendwann im August 2007 begonnen hat, scheint nun vor dem OLG Hamm ein vorläufiges Ende gefunden zu haben. Worum es geht? Wieder einmal hat eine Firma (in diesem Fall
Reckert Werkstatt Möbel) versucht, scheinbar ungünstige Meinungen zu Produkten mit einer Abmahnung zum verschwinden zu bringen. Darüber hinaus wollte sie die Offenlegung der Userdaten, die die entsprechende
Meinung im Forum von
Wasserbetten-news.de eingebracht hatten.
Aber ich greife vor... schliesslich will ich Euch die Geschichte nicht vorenthalten.

Also, im August 2007 schreibt ein von der Kulanz der Firma Reckert Werkstatt Möbel enttäuschter Kunde im Forum von Wasserbetten-News.de eine folgenschwere Aneinanderreihung von alphanumerischen Zeichen:
Ich besitze ein Wasserbett der Firma Reckert Werkstatt Möbel und habe bei einer Reparatur einer undichten stelle feststellen müssen das sich die Vlieseinlagen zur Beruhigung des Wasserbettes auflösen. Die Fließeinlagen lösen sich in Flocken auf!
Da wir beim flicken keine Fremdkörper gefunden habe gehe ich von Materialermüdung des Vinyl aus. Wir haben den Wasserkern auch immer nach Angabe gepflegt. Das Wasserbett haben wir Mitte 2002 gekauft und es ist jetzt gerade über der Garantiezeit!
Die Firma Reckert Werkstadt Möbel ist zu keiner Kulanz bereit!
Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit der Firma (dem Produkt) gemacht?
Welchen Hersteller könnt ihr für eine Ersatzmatratze empfehlen?
In einem weiteren Beitrag verstieg sich der (ehemalige?) Kunde der Firma Reckert Werkstatt Möbel sogar der Aussage:
Danke, ich habe den Beitrag meines Leidensgenossen gefunden. Damit wurde mir die nicht vorhandene Kooperationsbereitschaft von Reckert und dessen schlechter Service noch mal bestätigt!
Autsch... also, bei uns nennt man das eine subjektive Kundenmeinung. Oder frei ins Deutsche übersetzt, eine Meinungsäusserung.
Naja... wie es so ist, da gibt es dann auch die Pro und Kontras... auf jeden Fall hat der User Axel im Forum eine Lobeshymne auf die Firma Reckert Werkstatt Möbel im Forum veröffentlicht. Auf einen zumindest subjektiv erhärteten Verdacht hin hat der Admin den User sperren lassen. Offenbar liess es sich nicht 100% von der Hand weisen, dass der User mit der Pressesprecherin von Reckert Werkstatt Möbel verwandt war.... ups.
Aber gehen wir zeitlich ein bisschen weiter.... es geht nicht lange, da erhält der Betreiber des Forum Michael Babilinski (MB) einen Fax der
Firma Reckert Werkstatt Möbel (RWM) in dem der Absender behauptet, der betreffende User (der mit der negativen Aussage zur Kulanz von RWM) sei ein ehemaliger Händler mit Schulden bei RWM. Leider war das auch nicht ganz korrekt... wie sich später herausstellte.
Naja... da nun weder der angebliche Verwandte der Pressesprecherin von RWM noch der Fax mit der Geschichte vom säumigen Händler verfangen hatte, musste RWM vermutlich andere Massnahmen ergreifen. RWM schlug den Rechtsweg ein und versuchte
mittels einer einstweiligen Verfügung und einer Abmahnung gegen den betroffenen User (immerhin ein ehemaliger Kunde der Firma RWM!) die
Löschung der Forenbeiträge und damit der Meinungen des Users im Forum
unter Androhung einer Geld- und Gefängnisstrafe zu erwirken.
MB liess sich das nicht gefallen. Am 17. Januar 2008 wurde die einstweilige Verfügung durch das Landgericht Münster kassiert. RWM war mit dem Urteil nicht einverstanden und zog es vor das OLG Hamm weiter, mit einer überarbeiteten Anklageschrift. RWM argumentiert nun, die Aussagen seien keine Meinungen sondern falsche Tatsachenbehauptungen. Der Ausspruch über den "zweitklassigen Service" sei keine Meinung.
Am 19. Juni 2008 zog RWM den Antrag zurück, weil das Gericht klar zu verstehen gegeben hatte, dass es dem Antrag nicht stattgeben könne.
Ein Einzelfall? Vielleicht für die entsprechende Firma. Aber nicht im Internet. Immer wieder kommt es zu solchen Trauerspielen. Scheinbar versucht die Wirtschaft mit allen Mitteln, den Konsumenten mundtot zu machen. Ja keine Meinungsäusserungen mehr, diese könnten ja den Markt beeinflussen und die Produktionskosten erhöhen.
Meine Leser erinnern sich an einen Fall, der mir persönlich einiges an Kopfzerbrechen gemacht hat.
Schreiben an Kollegen, die meine Domain hosteten mit der (zumindest unterschwelligen)
Drohung mit einer Abmahnung, Schreiben an mich vom Anwalt, das Kommunizieren von angeblichen Streitwerten von 250'000.- Euro, Angebote zur Zusammenarbeit (Schweigegeld?)... alles das muss auch ein Forenbetreiber aushalten.
Manche brechen zusammen und geben schon beim ersten kleinen Zittern auf. Andere ziehen die Sache durch und, bekommen Recht. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man genügend Geld für einen Rechtsstreit hat.
Links zum Thema:
Reckert Werkstatt Möbel >> Link nicht gefunden, da scheint es mehrere Firmen mit gleichem Namen zu geben?
Forum Wasserbetten News
RA Graf
Wisst Ihr, irgendwie kotzt es mich an. Wir haben schon so
viele Beispiele aus der Geschichte, dass man das Recht nicht korrumpieren sollte. Trotzdem wird es immer wieder gemacht. Einfach Scheisse.
Auf der anderen Seite kann es einen ja auch umgekehrt mal erwischen, dass sich irgendein Versager und Idiot auf einen mit unhaltbaren Bemerkungen einschiesst und seinen ganzen Lebenssinn im Rufmord anderer sieht. Da man solche Leute leider nicht mehr erschiessen darf, muss es auch eine rechtliche Handhabe geben.
Wenn Firmen gegen einen Ansbeinpinkler sofort mit einer Abmahnung kommen, dann schießen sie ohnehin ein kapitales Eigentor, egal ob die Anschuldigungen wahr oder falsch waren. Wer kauft schon bei jemandem, wo die Gefahr besteht in einen Rechtsstreit zu geraten?
Sagen wir es mal so... wer die Regeln des Anstandes gelernt hat, sollte mit seiner Meinungsäusserung keine Probleme haben. korrekt?